Der Mönch am Meer von 1810
Das Bildmotiv lässt nicht erkennen, ob es Abend ist oder ein dunkel bewölkter Tag beginnt. Ein Mönch steht tiefsinnig am schmalen Sandstreifen und blickt in die Ferne, aufs Wasser. Was er wohl denkt? Naht ein Sturm oder hat er den Glauben an das Leben aufgegeben? Friedrich hat bei der Farbgebung auf düstere Nuancen zurückgegriffen, dadurch erhält das Werk eine gehörige Portion Dramatik.
Am Horizont ziehen Nebelschwaden in die Wolken, sodass kein wirklicher Übergang zum Wasser und Himmel erkennbar ist. Zwar scheint hinter den dichten Wolken der Schleier ein wenig aufzureißen, aber ist das wirklich so? Oder will der Maler mit dieser Darstellungsweise Betrachter*innen hinters Licht führen? Zudem gibt die Interpretation keinen räumlichen Übergang preis. Ufer, Wasser und Himmel werden zu einer Einheit. Es bleibt ebenso im Vagen, ob der Mönch den Mächten der Natur ausgeliefert ist oder ob es sich um einen von Gott verlassenen Menschen handelt.
Der Wanderer über dem Nebelmeer - um 1817
Bei diesem Gemälde rückt der Maler einen Wanderer in den Fokus, der gestützt auf einem Spazierstock, die Nebelschwaden unter lichtem Himmel beobachtet. Wie sie federleicht an imposanten Berggipfeln zu seinen Füßen vorbeiziehen. Die Sicht auf das Bergpanorama wird durch die lange, schmale Rückenpartie verdeckt. Das Bildnis lebt von starken Kontrasten. Mehr Helligkeit wurde der Umgebung zuteil, dafür hat der Maler den Hauptdarsteller und die Felsformation unter seinen Füßen durch dunkle Farbtöne sehenswert hervorgehoben.
Zwar steht Caspar David Friedrichs Wanderer mit beiden Beinen fest auf dem Boden, doch der Abgrund ist nicht weit von ihm entfernt. Er kann ihn quasi vor seinen Augen bildlich sehen. Der Mensch blickt in etwas, kann es aber nicht genau deuten. Man kann nur erahnen, dass es nicht menschengemacht ist. Mit dieser Bildkunst ist es dem Landschaftsmaler eindrucksvoll gelungen, Betrachter*innen mit Widersprüchen herauszufordern.
Kreidefelsen auf Rügen von 1818
Die Suche nach dem Motiv des berühmten Caspar David Friedrichs Kreidefelsen kann man getrost einstellen. So wie der Maler die Felsformation auf seinem Gemälde abgebildet hat, existiert sie in der Natur nicht. Das Meisterwerk ist aus verschiedenen Skizzen entstanden. Die Steilküste am Meer mit ihren bizarr grell-weißen Felsen hat Friedrich erst Wochen später, nach der Rückreise von seiner Auszeit an der Ostsee im Atelier in Dresden gemalt.
Im Vordergrund befinden sich drei Personen, die auf der schmalen grasbewachsenen Fläche für einen Moment innehalten. Auf der linken Seite hockt eine Frau mit rotem Kleid und hochgesteckten Haaren im Gras, die sich zur Sicherheit mit der linken Hand an einem verdorrten Ast festhält. Mit dem Rücken an einen Baumstumpf gelehnt, steht ein Mann auf der rechten Bildseite. Er trägt einen grüngrauen Gehrock und Hut. Obwohl ihm unter seinen Füßen nur einige dünne Äste Stellfläche bieten, schaut er ohne Furcht aufs Meer hinaus. Der Mann in der Mitte kriecht ängstlich auf dem Boden. Mit äußerster Vorsicht wagt er einen kurzen Blick über den Rand und sucht mit den Händen Halt im Gras. Zerklüftete, gespenstisch weiße Felsen bilden die eigentliche Kulisse. Friedrich ist in diesem Werk geglückt, vertikale Spannung zwischen Nähe und Ferne zu erzeugen.
Frau am Fenster - zwischen 1818 und 1822
Der Bildinhalt zeigt seine Ehefrau, die am Fenster eines kargen Raumes steht. Caroline schaut aus dem Fenster vom Atelier des Künstlers. Sie blickt vom Betrachter abgewandt zum gegenüberliegenden Elbufer. Es handelt sich bei diesem Kunstdruck um ein sehr privates Bild. Das Werk zeichnet sich durch eigentümliche Einfachheit aus. Ganz klar, den Mittelpunkt bildet die abgewandte Frauengestalt.
Doch selbst der leere Innenraum ruft Assoziationen hervor. Für Stillleben sorgen breite Holzdielen, eine dunkle Wand und das hohe Fenster. Der angedeutete Raum verrät nichts über Wohnlichkeit. Als belebendes Element springt die Aussicht auf zartgrüne Pappeln am jenseitigen Ufer und der Frühlingshimmel ein. Das romantische Sehnsuchtsmotiv verknüpft Nähe und Ferne, das innen und außen auf eine beeindruckende Art und Weise.
Das Eismeer von 1823 - 1824
Die Szene hält auftürmende Eismassen fest, die einen versinkenden Segler unter sich begraben. Durch die Wucht der spitz-kantigen Eisschollen wird der Segler regelrecht zermalmt. Immer wieder verschieben sich die Eisschollen gegeneinander, bis sie sich zu einer aufragenden, pyramidalen Form zusammengeschoben haben. Im Vordergrund dominieren Farbtöne wie schmutziges Gelb, Grün und Ocker, die das bereits zerbrochene Bergmassiv spektakulär widerspiegeln. Kühles Weiß, Blau und Violett lassen einen vereisten Fluss oder eine arktische Landregion entstehen.
Wieder lockt der Maler die Zuschauer auf eine falsche Fährte. Die verschneite und in kräftigem Weiß dargestellte Zone soll die diffuse und schicksalhafte Atmosphäre abmildern. Doch bereits im Bildvordergrund verbarrikadiert ein quer-gelagerter Eisblock den Einstieg ins Bild. Das Bildnis deutet gleich zu Beginn auf eine trügerische Stimmung hin. Erst auf den zweiten Blick sind der gebrochene Mast und der Rumpf zu erkennen. Den Rest des Seglers haben Eisschollen bereits zerquetscht und unter die Wasseroberfläche gedrückt.
Die Lebensstufen - um 1835
Das Schaubild bildet einen Abschnitt am Strand von Wiek ab. Einem kleinen Ort, der sich bei Greifswald befindet. Der Maler hat fünf Menschen und fünf ankommende Schiffe ins Bild eingearbeitet. Doch die Leute beobachten nicht nur heranfahrende Schiffe. Vielmehr möchte der Künstler bei diesem Ölbild drei Lebensstadien zum Ausdruck bringen. Das größte Segelboot, das bereits vor Anker liegt, symbolisiert das Ende der Lebenszeit. Die zwei mittleren links und rechts platzierten Schaluppen, die friedlich heransegeln, befinden sich in der Blühte ihres Lebens. Und die beiden kleinsten Boote weiter draußen auf dem Meer haben ihr Dasein erst begonnen.
Auch die auserwählten Menschen auf dem Ölgemälde übernehmen einen wichtigen Part. Der ältere Herr im Pelz, ist schon dem Jenseits zugewandt. Voller Tatkraft steckt der schlanke Mann mit Hut. Erst am Beginn ihrer Reise befinden sich die beiden Kinder und deren junge Mutter. Die Drei versinnbildlichen die Jugend. Genauen Beobachter*innen werden die natürlichen Sequenzen des Lebens gewiss auffallen. Durch die klischeehaft hinzugefügte Abenddämmerung erhält das Werk eine ganz spannende Kulisse.